Tagesthema vom 26.01.2012
Ski und Rodel - wo gehts, wo nicht?
Noch fünf Tage, dann geht der Januar zu Ende, was nichts anderes
bedeutet, dass - per definitionem jedenfalls - zwei Drittel des
meteorologischen Winters gelaufen sind. Ein 29-Tage-Februar noch
(Schaltjahr!) und wir befinden uns schon wieder im März, den die
Meteorologen bereits dem Frühjahr zuschustern - in der Theorie
jedenfalls. Nun, wie sich Winter und Wetterlage bis dahin noch so
entwickeln, weiß niemand außer einiger weniger wohlgeborener
menschlicher Exemplare vielleicht, die meinen oder glauben, so weit
in die Zukunft schauen zu können. Nur was die nächsten Tage bis in
die kommende Woche angeht, lässt sich eine einigermaßen belastbare
Aussage treffen. Die wurde am gestrigen Mittwoch an dieser Stelle
schon hinreichend ausführlich erörtert und wird auch von den neuesten
Modellläufen weitgehend bestätigt, soll an dieser Stelle jetzt aber
nicht das Thema sein.
Vielmehr geht es um eine wintermäßige Bestandsaufnahme innerhalb
Deutschlands, im Klartext, wo liegt wie viel Schnee, der für diverse
Fortbewegungsmöglichkeiten freizeitlicher Natur geeignet ist. Es ist
ja kein Geheimnis, dass der bisherige Winter in puncto Schnee das
Flachland mehr als stiefmütterlich behandelt hat. Daran hat sich
aktuell nichts geändert, so dass man also in die Mittelgebirge oder
die Alpen ausweichen muss. Dort haben die vergangenen, äußerst
niederschlagsreichen Wochen vielerorts für veritable Schneehöhen
gesorgt, die eine optimale Grundlage (manchmal war es sogar etwas zu
viel des Guten) für den alpinen und den nordischen Sport sowie für
Rodelpartien oder einfach nur Winterspaziergänge darstellen.
Allerdings sind nicht alle Mittelgebirge gleich gut von der Natur
bedacht worden. So sieht die aktuelle Schneelage in den meisten
westlichen Mittelgebirgen (z.B. Hunsrück, Eifel, Westerwald,
Odenwald, Taunus, Vogelsberg) eher dürftig aus, zum Teil liegt sogar
überhaupt kein Schnee. Wintersport ist also gar nicht oder nur sehr
eingeschränkt möglich. Da haben es die Sauerländer deutlich besser.
Dort liegen auf dem Kahlen Asten knapp 40 cm Schnee, und auch rund um
Winterberg und Willingen (um nur einige Beispiele zu nennen) ist -
nicht zuletzt auch mit Unterstützung der Schneekanonen - ausreichend
Schnee vorhanden, um die meisten Lifte laufen zu lassen und Loipen
spuren zu können.
Ziemlich gut sieht es derzeit auch im höchsten Mittelgebirge
Norddeutschlands aus, dem Harz. Zwar sind die gemessenen 1 Meter und
77 Zentimeter vom Brocken - dort darf aus Naturschutzgründen ohnehin
nicht Ski gelaufen werden - nicht gerade eine repräsentativer Wert
für den Oberharz, trotzdem liegt in den meisten Gebieten ausreichend
Schnee (am Pegel Braunlage 35 cm, in Schierke 32 cm). Noch besser
sieht es in den östlichen Mittelgebirgen aus, wie folgende Werte von
Donnerstagmorgen belegen:
Schmücke (940 m, Thüringer Wald) um 70 cm
Neuhaus/Rennsteig (845 m, Thür. W.) um 60 cm
Zinnwald-Georgenfeld (877 m, Erzgebirge) um 100 cm
Fichtelberg (1213 m, Erzgebirge) um 160 cm
Rechenberg (765 m, Erzgebirge) um 60 cm.
Auch in den südlichen Mittelgebirgen können sich die Schneehöhen mehr
als sehen lassen. Im Bayerischen Wald bzw. im Böhmerwald liegen bis
zu 2 Meter Schnee (Großer Arber, 1436 m offiziell 212 cm), im
Hochschwarzwald bis zu 120 cm (Feldberg, 1489 m). Allerdings sind das
die absoluten Spitzenwerte, die - ebenso wie beim Brocken im Harz -
nicht das große Flächenmittel darstellen. Gleichwohl reicht es dicke
für sämtliche schneeabhängigen Wintersportaktivitäten. Auf der
Schwäbischen Alb könnte es diesbezüglich eher knapp werden (Stötten,
733 m, 10 cm), und auch in den nordostbayerischen Mittelgebirgen
(z.B. Fichtelgebirge) könnte es zu lokalen Einschränkungen kommen,
wenngleich dort die meisten Lifte laufen und viele Loipen gespurt
sind.
Last but not least noch die Alpen, über die man aber keine großen
Worte verlieren muss. In den Tälern werden meist 20 bis 70 cm
gemessen (Reit im Winkl meldet am Pegel sogar satte 112 cm), auf den
Bergen über einem Meter, wobei die Zugspitze mit 500 cm (in Worten
fünf Metern) den Vogel abschießt.
Abschließend noch ein Wort in eigener Sache. Schneehöhenangaben sind
nicht selten mit gewissen Fehlern versehen, vor allem wenn sie
automatisch erfolgen. Hinzu kommen teils erhebliche Verfrachtungen
durch starken Wind, so dass innerhalb eines kleinen Areals ein dicker
Schneehaufen neben blank geputzten Boden liegen kann. Von daher sind
die angegeben Schneehöhen als Richtwerte und nicht wortwörtlich zu
sehen.
Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.01.2012
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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach
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